Sonntag, 23. Dezember 2007

Metropolenarroganz - Remix

Betrachtet man die Sachlage des Vorfalls ganz nüchtern, so müssen wir leider feststellen, dass ein Angriff durch militante Neonazis nicht schlimmer hätte aussehen können.

Zu diesem bitteren Ergebnis kam das Antifa-Infoportal (AIP) Magdeburg nach einem Angriff auf ihre Veranstaltung "Zur Kritik des Antisemitismus und des Antiamerikanismus. Solidarität mit Israel". Mehr als ein Dutzend AntiimperialistInnen zeigten am 27. Juni 2007 mit Steinen und Pfefferspray, dass Magdeburg ihrem Jargon entsprechend auch weiterhin eine internationalistische Stadt bleiben sollte. Wie das geht und was die Linke dazu sagt - einige Fragmente aus einer unheimlicher Gegenwart:

Ende 2004 suchten Mitglieder der »Gruppe Internationale Solidarität« einen früheren Genossen in seiner Wohnung auf, bedrängten ihn und drohten ihm für den Fall, dass er weiter israelische Symbole an seiner Kleidung trage, Schläge an. In einem Schreiben, das sie kurz darauf in Magdeburg zirkulieren ließen, rechtfertigten sie ihr Vorgehen und kündigten weitere Übergriffe an: »Im konkreten Fall war und wird auch immer wieder in anderen Fällen die Anwendung von Gewalt legitim sein, um unsere Politik zu verteidigen.«

Diese Drohung wurde seither immer wieder in die Tat umgesetzt. Jens Schneider vom »Antifa-Infoportal« in Magdeburg, einer kleinen Gruppe, die sich an den bundesweiten Antifa-Debatten orientiert, berichtet von Einschüchterungsversuchen, die vom Zerstechen von Autoreifen über das Abschießen von Feuerwerksraketen auf eine Wohngemeinschaft bis hin zu Aufklebern mit Mordaufrufen (»Töte den Antideutschen!«) reichen.

Im Januar ließ die »Gruppe Internationale Solidarität« den Mitgliedern des »Antifa-Infoportals« schließlich über einen gemeinsamen Bekannten ausrichten, dass sie auch nicht davor zurückschrecken werde, mit Eisenstangen auf sie ein­zuschlagen. »Wer als ›antideutsch‹ gilt«, so resümiert Schneider, »wird mit einer Vehemenz bekämpft, die nicht einmal Nazis gegenüber an den Tag gelegt wird.« (aus: Jungle World

Tatsächlich liest sich das BekennerInnenschreiben aus dem Szeneblättchen "rabatz" stellenweise wie eine Karikatur gestörter linksdeutscher Kiez-Romantik. Jessica fasst ihre internationalistische Gesinnung bezugnehmend auf die Kritik an der Verteidigung naturwüchsiger Gemeinschaften so zusammen:

Da fühlst Du dich als Autonome/r mit dem nötigen Schuss proletarischen Klassenhass doch direkt angesprochen. Aber mal im Ernst. Bei diesem Mobilisierungsflyer konnten wir uns schon denken, was da für metropolenarrogante und bürgerliche Scheiße abgeladen wird. Und das Ganze noch irgendwie links verpackt. Darum sind wir da auch hin.

Wer schon einmal in provinziellen Gegenden sein Leben gefristet hat, kennt die Liebe der stolzen Landeier zu ihrer heimatlichen Scholle. Das Ganze durch linken Szenesprechwolf gedreht ergibt auch weiterhin Schläge für den aufgeklärteren Teil eines "ewig braunen Kacknest[s]" (PHASE 2.23 über Magdeburg), wo der ursprüngliche gesunde linke Menschenverstand gegen Metropolenarroganz verteidigt wird.

Uns Indymedia

Ich als "Deutscher":

LinkerMitVerantowrtung 28.06.2007 - 17:45

An Israel scheiden sich die Geister!
Ist Zionismus gleichzusetzen mit Nationalismus, Kapitalismus und kann ich meine Aktionen dagegen daher rechtfertigen? Nein, ist meine Antwort!

Ich für meinen Teil erkenne ein Problem in der Siedlungspolitik und durch eine Mauer, aber daher sich als "antizionistisch" zu geben ist mir zu wider, denn ich als "Deutscher" trage nun mal eine Verantwortung. Ich lebe im hier und jetzt und nicht in der Vergangenheit!

Antizionismus=Undogmatisch

Wir als "Linke":

anarchia 28.06.2007 - 20:41
das was hier gerade abgeht und was aus der ganzen sache nun letztendlich gemacht wurde ist jawohl mehr als nur schlecht!
ich gebe "anarchist" völlig recht... es kann doch absolut nicht sein, daß ihr, auch wenn es kein schöner vorfall war, mit dem verkackt kapitalistischen justizaparat zusammenarbeitet?!
meiner meinung nach solltet ihr zusehen, wie ihr euch da schnellstmöglichst wieder herrausreitet!
klar, geht es gar nicht klar differenzen so lösen zu wollen, wie es anscheinend die anderen leute getan haben (ihr nennt sie aamd und gis), dennoch sehe ich es absolut gar nicht ein, warum gerade ihr, mit den bullen zusammenarbeitet!!!!!

Und hier kommt Es:

AAMD 28.06.2007 - 18:23
AAMD beim feiern

antifa 29.06.2007 - 13:53
rassisten-veranstaltungen "stören" und kriegstreiber aufs maul geben - gute aktion!


Montag, 19. November 2007

Rollback

Endlich mal wieder gutes Entertainment aus dem Volk und für das Volk:
Was haben David Beckham, Jan Delay, Rudolf Blechschmidt, KSK-Soldaten, KuDamm-Schickimickis und Alex-Punker gemeinsam? Richtig, sie haben kein Abonnement der Zeitschrift Bahamas. Und sie tragen ein Kleidungsstück namens Kufiya, benannt nach der Stadt Kufa im bestezten Irak.
Beim unübersehbaren Palitrend in Deutschlands Modehäusern, Ramschläden, Grund- und Gesamtschulen gewinnt man den Eindruck, dass der grenzdebil unterhaltsame Versuch des Blogs der Bezugsgruppe Roter Elefant, das Palituch wieder zum linken Identifikationssymbol zu machen, womöglich von beachtlichen Erfolg gekrönt sein könnte. Es wurde zeitweise der meistgelesene Blogeintrag auf blogianer.de und ist wohl als Argumentationshilfe für den Rollback des deutschen Antimperialismus gedacht. Wenn auch nicht unbedingt argumentativ, so werden einige Linke - von den explizit antizionistischen Exzessen der Vergangenheit möglichweise kuriert - im Windschatten eines harmlos gemachten Symbols, ihr Pali wieder selbstbewusster auftragen, wenn wieder Stadtteilfest ist.

Es war auch in den besseren Tagen des Palis in der Linken möglich, zahlreiche politisch unbeleckte Personen anzutreffen, die sich mit dem Tuch ein bisschen Verwegenheit leihen wollten. Inzwischen ist die Trefferquote wesentlich geringer. Allerdings ist immer und auch gerade momentan ein Relaunch des Anti-Pali-Flyers recht lohnenswert. Beim "Ist Dir kalt oder hast Du was gegen Juden?" geht es ja nicht primär um reine Denunziation, sondern um das Auflösen des antizionistischen Kitts in Deutschland.

Der Fummel eignet sich hervorragend zum Abwischen einer verklebten Theke auf bauchlinken Partys. So kommt der Pali zu seiner alten Bestimmung in der deutschen Linken zurück: Ein biergetränkter Fetzen für folkloristische Rituale.

Samstag, 17. November 2007

Szenen einer Geburt

Als hätte die Welt darauf gewartet: ein neues Weblog wurde geboren, unblutig, ohne Schreie und andere unappetitliche Momente. Nur 0 und 1. Im Gegensatz zu meiner eigenen Geburt, zumal ich dabei noch von 20 angehenden KrankenpflegerInnen mit Applaus in Empfang genommen wurde. So viel zu mir.

Dies´ Blog soll dafür sorgen, meine Mitmenschen zu entlasten und den täglich anfallenden Mitteilungsdrang in hoffentlich nicht wirkungslose Kanäle abzuleiten.

In diesem Sinne viel Spass beim Lesen.