Montag, 19. November 2007

Rollback

Endlich mal wieder gutes Entertainment aus dem Volk und für das Volk:
Was haben David Beckham, Jan Delay, Rudolf Blechschmidt, KSK-Soldaten, KuDamm-Schickimickis und Alex-Punker gemeinsam? Richtig, sie haben kein Abonnement der Zeitschrift Bahamas. Und sie tragen ein Kleidungsstück namens Kufiya, benannt nach der Stadt Kufa im bestezten Irak.
Beim unübersehbaren Palitrend in Deutschlands Modehäusern, Ramschläden, Grund- und Gesamtschulen gewinnt man den Eindruck, dass der grenzdebil unterhaltsame Versuch des Blogs der Bezugsgruppe Roter Elefant, das Palituch wieder zum linken Identifikationssymbol zu machen, womöglich von beachtlichen Erfolg gekrönt sein könnte. Es wurde zeitweise der meistgelesene Blogeintrag auf blogianer.de und ist wohl als Argumentationshilfe für den Rollback des deutschen Antimperialismus gedacht. Wenn auch nicht unbedingt argumentativ, so werden einige Linke - von den explizit antizionistischen Exzessen der Vergangenheit möglichweise kuriert - im Windschatten eines harmlos gemachten Symbols, ihr Pali wieder selbstbewusster auftragen, wenn wieder Stadtteilfest ist.

Es war auch in den besseren Tagen des Palis in der Linken möglich, zahlreiche politisch unbeleckte Personen anzutreffen, die sich mit dem Tuch ein bisschen Verwegenheit leihen wollten. Inzwischen ist die Trefferquote wesentlich geringer. Allerdings ist immer und auch gerade momentan ein Relaunch des Anti-Pali-Flyers recht lohnenswert. Beim "Ist Dir kalt oder hast Du was gegen Juden?" geht es ja nicht primär um reine Denunziation, sondern um das Auflösen des antizionistischen Kitts in Deutschland.

Der Fummel eignet sich hervorragend zum Abwischen einer verklebten Theke auf bauchlinken Partys. So kommt der Pali zu seiner alten Bestimmung in der deutschen Linken zurück: Ein biergetränkter Fetzen für folkloristische Rituale.

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